Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

 

Cochrane Review "low back pain", 1999,
Dr. med. Oliver Bartholomä, Dr. med. Vera Wittenberg :

Mit welchen Krankheitszeichen geht der Bandscheibenvorfall einher?

Nicht jeder Bandscheibenvorfall verursacht Probleme: Rund ein Viertel aller erwachsenen Menschen weisen Bandscheibenvorfälle auf, ohne dass diese überhaupt Beschwerden hervorrufen. Ein Hauptsymptom eines Bandscheibenvorfalls sind bewegungsabhängige Schmerzen. Diese können als Rückenschmerzen auftreten, die in die Gliedmaßen ausstrahlen. Oft fehlen allerdings Schmerzen im Rücken selbst, und es liegen nur Beschwerden in Armen oder Beinen vor. Je nach dem Ausmaß der Verlagerung von Bandscheibengewebe und der Lage des Vorfalls kann sich der Druck auf die Nerven(wurzel) als Ausfalls- oder Reizerscheinung in Form von Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen äußern. Jedem Nerv lassen sich bestimmte Muskeln und Hautflächen zuordnen. Daher können Schmerzen, Störungen der Hautempfindung oder Schwächen bestimmter Muskeln genau auf die Reizung einer Nervenwurzel zurückgeführt werden.

Unwillkürlich reagiert der Körper auf Schmerzen, indem er die Beweglichkeit durch eine Verkrampfung der Muskulatur verringert. Es kommt zur schmerzbedingten Schonhaltung. Ein typisches Kennzeichen ist z. B., dass die Fingerspitzen der ausgestreckten Hand bei gestreckt gehaltenen Knien nicht mehr den Boden berühren können oder der Betroffene die Wirbelsäule nicht gerade halten kann und sich schief und verkrümmt bewegt. Mitunter werden die Schmerzen schlimmer, wenn der Betroffene hustet, niest oder beim Stuhlgang presst, weil sich dabei der Druck im Bauchraum auch auf die Wirbelsäule und die Bandscheiben auswirkt.

Weil sie in der Regel sehr plötzlich auftreten, werden sie im Volksmund auch als "Hexenschuss" bezeichnet. Ein "Hexenschuss", in der Fachsprache auch "akute Lumbalgie" oder "Lumbago" genannt, kann aber auch nur Zeichen einer starken Muskelverspannung im Bereich der Rückenmuskulatur sein. Auch solche Verspannungen können an den Stellen auf einen Nerv drücken, wo die Nerven durch die Muskulatur hindurch treten. Einer Lumbago muss also nicht immer ein Bandscheibenvorfall zugrunde liegen. Im Einzelfall kann es problematisch sein, Beschwerden durch Muskelverspannungen von denen durch einen Bandscheibenvorfall zu unterscheiden.

Selten kann es beim Vorfall im Kreuz- und Steißbereich zur Schädigung mehrerer Nervenwurzeln, dann auch rechts und links kommen, wodurch es als Besonderheit zu akuten Blasen- und Darmentleerungsstörungen kommen kann. Dieses Symptom ist bei Verdacht auf einen Bandscheibenprolaps immer sehr ernst zu nehmen und als Notfall zu behandeln.

Ebenfalls selten ist die Schädigung des Rückenmarks durch eine Bandscheibe. Nur im Hals- und Brustbereich verläuft im Inneren der Wirbel tatsächlich das Mark, während auf der Höhe der Lendenwirbelsäule, wo ja die allermeisten Verschiebungen von Bandscheibengewebe auftreten, nur einzelne Nervenstränge verlaufen. Nur ein Bandscheibenschaden, der in die Mitte des Wirbelkanals hinein vorfällt, kann direkt das Rückenmark beeinträchtigen. Meistens erfolgt die Ausstülpung jedoch zur Seite.