Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

 

Cochrane Review "low back pain", 1999,
Dr. med. Oliver Bartholomä, Dr. med. Vera Wittenberg :

Welche Diagnoseverfahren gibt es, um einen Vorfall nachzuweisen?

Am Anfang des Untersuchungsgangs steht die allgemeine körperliche Untersuchung mit neurologischen und orthopädischen Schwerpunkten. Die Art, Lokalisation und Auslösung von Schmerzen wird genau erfragt bzw. geprüft und die Beweglichkeit der Wirbelsäule untersucht. Die Rückenmuskulatur wird auf Verhärtungen abgetastet. Ferner werden verschiedene Muskelreflexe ausgelöst und die Kraft verschiedener Muskelgruppen sowie das erhaltene Berührungsempfinden festgestellt.

Apparative Zusatzuntersuchungen umfassen die Anfertigung normaler Röntgenbilder des betroffenen Abschnitts der Wirbelsäule bis hin zur Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT). Beim CT und MRT handelt es sich um moderne Schnittbildverfahren. Die Computertomografie arbeitet mit Röntgenstrahlen.

In manchen Fällen wird vor der Röntgenuntersuchung ein Kontrastmittel in den Wirbelkanal eingespritzt, dies geschieht meist durch eine sehr dünne Spezialkanüle in der Lendengegend. Die Untersuchung nennt sich dann Myelografie. Sie ist die genaueste Standarduntersuchung, um nicht nur Bandscheibengewebe darzustellen, sondern einzelne Nervenwurzeln genau zu verfolgen und festzustellen, ob der Vorfall an sie heranreicht. Oft wird die Myelografie als sehr wichtige Entscheidungshilfe bezüglich einer Operation eingesetzt.

Das MRT liefert Längsschnitt-Bilder der gesamten Wirbelsäule, auf denen man die Höhe krankhafter Veränderungen suchen kann. Die MRT-Untersuchung läuft im Magnetfeld ab und kommt ohne Belastung durch Röntgenstrahlen aus, daher kann sie bei Patienten mit Herzschrittmachern oder magnetischen Metallteilen im Körper problematisch sein.

Ist der Vorfall bekannt oder vermutet man ihn auf einer bestimmten Wirbelhöhe, werden meist neurologische Untersuchungen durchgeführt, um genau zu bestimmen, ob der beeinträchtigte Nerv nur gereizt oder durch starken Druck geschädigt wird. Hier kommen elektrodiagnostische Methoden zum Einsatz, bei denen Elektroden auf Muskeln aufgeklebt werden und die elektrische Leitungsfähigkeit von Nervenbahnen untersucht wird (Neurografie und evozierte Potentiale) bzw. die Muskeltätigkeit durch Einbringen dünner Nadeln analysiert wird (Elektromyografie).