Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

 

Cochrane Review "low back pain", 1999,
Dr. med. Oliver Bartholomä, Dr. med. Vera Wittenberg :

Wann wird operiert und welche Methoden gibt es?

Jährlich erfolgen in Deutschland ca. 35.000 Bandscheiben-Operationen im Lendenbereich. Heutzutage ist man bei der Entscheidung, ob eine Operation notwendig ist, eher zurückhaltend. Immer müssen Krankengeschichte, Untersuchungsbefund und Ergebnisse der Zusatzuntersuchungen zusammenpassen, da nur dann eine entsprechend hohe Erfolgsrate erwartet werden kann. Absolute Notwendigkeit für eine Operation sind das akute Kaudasyndrom mit Funktionsstörungen von Blase und Mastdarm und plötzlichen Erscheinungen im Sinne einer so genannten "Reithosenanästhesie" (Taubheitsgefühl an der Innenseite beider Oberschenkel) sowie die komplette Unterbrechung der Nervenleitung einer Nervenwurzel. Diese geht mit vollständiger Lähmung und vollständigem Sensibilitätsverlust eines der Nervenwurzel zugeordneten Segmentes einher. Als relativ notwendig gilt eine Operation dann, wenn sich die Schmerzen trotz konsequenter, mindestens sechswöchiger Therapie in keiner Weise bessern.

Grundsätzlich besteht das Ziel jeder Art von Bandscheibenchirurgie darin, die eingeengte Nervenwurzel zu befreien und einem erneuten Vorfall vorzubeugen. Prinzipiell kommen offene oder perkutane (Schlüssellochchirurgie) Operationsverfahren in Frage. Die meisten Operationen werden in Vollnarkose durchgeführt. Die möglichen allgemeinen Risiken und Komplikationen jedes operativen Eingriffs bestehen in Blutergussbildung, Wundheilungsstörung, Wundinfekt, tiefer Beinvenenthrombose, Lungenembolie, Gefäßverletzung und Nervenverletzung. Speziell bei Bandscheibenoperationen besteht zusätzlich die Gefahr einer Verletzung der harten Rückenmarkshaut (Dura mater) in bis zu etwa 0,9 Prozent der Fälle. In diesem Fall kann ein Leck entstehen, durch das Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) austritt. Solch ein Leck muss verschlossen werden, manchmal ist dazu eine weitere Operation nötig.

Operationsbedingt können in sehr seltenen Fällen auch eine Nervenwurzeln geschädigt werden, oder es kommt zu einer Entzündung der knöchernen Wirbelanteile oder des Bandscheibengewebes.