Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule

 

Cochrane Review "low back pain", 1999,
Dr. med. Oliver Bartholomä, Dr. med. Vera Wittenberg :

Wie kann man sinnvoll vorbeugen?

Ein Bandscheibenvorfall entsteht aus einem Ungleichgewicht zwischen der Stabilität und der Belastung des Rückens. Vorbeugen kann man auf beiden Seiten: Zum einen durch die Minderung der Belastung, zum anderen, in dem man den Rücken kräftigt. Um den Rücken zu stärken, achtet man am besten auf eine gut trainierte Rumpfmuskulatur. Sowohl die Rücken- als auch die Bauchmuskulatur können die mechanischen Belastungen von Wirbeln und Bandscheiben reduzieren, wenn sie ausreichend kräftig sind.

Wenn man berücksichtigt, dass wir einen Großteil unseres Tagesablaufes im Sitzen verbringen, sollte unbedingt für einen vernünftigen Ausgleich gesorgt werden. In vielen Fitness-Studios werden mittlerweile verschiedene Rücken-Trainingsprogramme angeboten. Diese beinhaltet sowohl Gymnastik- als auch Geräteeinheiten. Dabei sollte man in jedem Fall langsam an Leistungssteigerungen herangehen, da sonst Rückschläge drohen. Vor jeder sportlichen Betätigung sollte man sich außerdem mindestens zehn Minuten aufwärmen, um den Organismus und die Muskulatur auf die Belastung vorzubereiten.

Da Übergewicht, besonders Fettansammlungen im Bauchbereich, die Lendenwirbelsäule eher in eine Hohlkreuz-Position bringt, sollte bei Rückenproblemen unbedingt eine Verringerung des Körpergewichtes angestrebt werden. Körperwahrnehmung und richtige Bewegungsabläufe kann man am besten in Rückenschulungs-Programmen unter Anleitung eines erfahrenen Physiotherapeuten erlernen. Dadurch kann man übermäßigen Belastungen bei alltäglichen Tätigkeiten vorbeugen. Besonders am Arbeitsplatz sollte auf rückenschonende Bewegungsabläufe geachtet werden. Auch im Rahmen einer ambulanten oder stationären Rehabilitationsmaßnahme sind oftmals solche Schulungen ein Bestandteil. Bücher, CDs oder Fernsehsendungen können eine gute Grundlage sein, das erworbene Wissen zu vertiefen oder aufzufrischen. Sie können jedoch gerade in der Anfangsphase die Anleitung und Kontrolle durch den Therapeuten nicht ersetzen.

Empfehlenswerte Sportarten nach einem Bandscheibenvorfall sind z. B. Schwimmen, Radfahren (in aufrechter Körperposition), Tanzen, leichtes Fitness- und Lauftraining. Besonders gut wird die Rumpfmuskulatur durch das so genannte "Nordic Walking" gekräftigt, bei dem der Bewegungsablauf mit den Armen mit einer Art Skistöcken unterstützt wird. Weniger zu empfehlen sind hingegen Sportarten, welche die Gelenke und die Wirbelsäule stärker belasten und ruckartige Bewegungen erfordern. Dazu gehören z. B. Tennis, Tischtennis, Squash, Hockey, Fußball, Volleyball, Baseball oder Handball.